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Wasserfasten nach Prof. Schwarz

Evidenz — Teil 1 von 2

Was wir über das Wasserfasten wirklich wissen

Die Evidenz — verständlich erzählt.

Ich war selbst der größte Skeptiker

Lange Zeit gehörte ich zu den Wissenschaftlern, die beim Wort »Fasten« die Nase rümpften. Ich hielt das für etwas, das irgendwo zwischen Esoterik und Quacksalberei angesiedelt ist – und ich hatte für diese Haltung, das gebe ich zu, weniger Argumente als Vorurteile. Was mich umgestimmt hat, waren keine Erzählungen und keine Erfahrungsberichte. Es waren Messwerte.

Und genau darum geht es auf dieser Seite. Ich möchte Ihnen zeigen, was die Forschung zum Wasserfasten tatsächlich hergibt. Nicht als Verkaufsargument, sondern so, wie ich es auch einem kritischen Kollegen vortragen würde. Sie werden dabei zwei Dinge finden: eine ganze Reihe erstaunlich gut belegter Effekte – und einige Stellen, an denen ich sage, dass wir es noch nicht wissen. Das gehört dazu. Eine Methode, die wirkt, muss man nicht schönreden.

Alle Zahlen, die ich nenne, sind mit Nummern versehen. Unten finden Sie die Studien dazu, jeweils mit direktem Link. Wenn Sie also der Typ Mensch sind, der nachschaut – wunderbar. Tun Sie es.

Erstens: Fasten ist nicht Fasten

Wenn über Fastenstudien gestritten wird, liegt der Grund meistens darin, dass alle über etwas anderes reden. Deshalb kurz zur Ordnung:

Was gemeint ist Was man zu sich nimmt Kalorien pro Tag
Wasserfastennur Wasser und Tee0
Heilfasten nach Buchingerdazu etwas Saft, Gemüsebrühe, Honig200 bis 250
FormuladiätEiweißdrinks, etwas Gemüse600 bis 850

Das ist keine Haarspalterei. Die weltweit größten Fastenstudien betreffen die Buchinger-Variante [1, 3]. Die berühmten Studien zur Diabetes-Umkehr betreffen Formuladiäten [16]. Und beim reinen Wasserfasten – der Königsdisziplin – ist die Datenlage am dünnsten, obwohl es physiologisch der konsequenteste Weg ist. Wer alles in einen Topf wirft, argumentiert unsauber. Ich mache das nicht, auch wenn es meine Sache leichter machen würde.

Was in Ihrem Körper passiert, Tag für Tag

Am ersten Tag leert sich der Zuckerspeicher. Nach etwa 14 Stunden stammt schon die Hälfte des Zuckers in Ihrem Blut nicht mehr aus dem Vorrat, sondern wird neu gebildet. Nach 42 Stunden sind es 93 Prozent – der Speicher ist dann praktisch leer [7]. Das ist der Moment, in dem viele denken, sie seien krank. Sie sind es nicht. Sie stellen um.

Dann kommt die Phase, die mich beim ersten Lesen wirklich verblüfft hat. Man würde erwarten, dass der Körper bei null Kalorien auf Sparflamme schaltet. Er tut das Gegenteil. Bei elf Freiwilligen stieg der Energieverbrauch nach vier Tagen Nulldiät um rund 14 Prozent, und das Noradrenalin – unser Wachmacher-Hormon – verdoppelte sich [8]. Deshalb sind Fastende ab Tag drei oder vier oft nicht schlapp, sondern hellwach. Genau in diesen ersten Tagen aber sitzen auch die typischen Beschwerden: Kopfschmerz, Frieren, Müdigkeit. Wer diese Phase durchhält, kommt auf der anderen Seite meist erstaunt heraus.

Ab dem vierten Tag ist die Umstellung geschafft. Bei mehr als 95 von 100 Fastenden lassen sich dann Ketonkörper nachweisen; um Tag fünf ist ein Plateau erreicht [9]. Ihr Gehirn deckt seinen Bedarf jetzt überwiegend aus diesen Ketonkörpern statt aus Zucker – das haben Forscher schon 1967 bei Fastenden gemessen [10], und daran hat sich nichts geändert. Die Mengen, um die es geht, liegen weit unter dem, was in der Medizin als gefährliche Übersäuerung gilt.

Und ab dem dritten Tag geschieht etwas, das ich für den wichtigsten Fastenbefund der letzten Jahre halte. Forschende der Charité begleiteten Menschen durch sieben Tage reines Wasserfasten und bestimmten täglich fast 3000 Eiweißstoffe im Blut. Bis Tag drei änderte sich wenig. Dann veränderte sich jedes dritte gemessene Protein – über 1000 Moleküle [6]. Der Körper arbeitet beim Fasten also nicht einfach weniger. Er schaltet in ein anderes Programm. Und dieses Programm startet erst nach mehreren Tagen. Das ist der Grund, warum ich vom 14-Tage-Fasten so überzeugt bin und warum Sie mit einem Tag Verzicht eben nicht dasselbe erreichen.

Ist das gefährlich? Die ehrliche Antwort

Diese Frage bekomme ich am häufigsten, und ich verstehe sie. Zwei Wochen nichts essen klingt für die meisten Menschen erst mal nach einer schlechten Idee.

In der Klinik Buchinger Wilhelmi in Überlingen wurden 1422 Fastende über vier bis 21 Tage systematisch dokumentiert. Unerwünschte Ereignisse traten bei 0,7 Prozent auf. Kein Todesfall, kein bleibender Schaden [1]. Ein amerikanisches Zentrum wertete 768 Aufenthalte mit reinem Wasserfasten aus – ein einziges schwereres Ereignis, kein Todesfall, drei Viertel aller Beobachtungen waren die bekannten, harmlosen Fastenreaktionen [2].

Zwei Zahlen aus der Überlinger Auswertung finde ich besonders sprechend: 93,2 Prozent der Fastenden berichteten kein Hungergefühl. Und von denen, die mit einer konkreten Beschwerde gekommen waren, gaben 84,4 Prozent eine deutliche Besserung an [1]. Das deckt sich mit allem, was ich bei den Menschen beobachte, die ich begleite – und mit meiner eigenen Erfahrung.

Wo ist der Haken? Diese Menschen waren vorher medizinisch untersucht und wurden während des Fastens betreut. Das ist der eine Satz, den ich hier nicht weglassen kann. Die gute Nachricht ist: Genau das lässt sich auch ambulant organisieren, und genau darum geht es bei unserem Ansatz. Fest steht für mich: Für die große Mehrheit gesunder Erwachsener ist Wasserfasten sicher. Das belegen die Studien.

Der Blutdruck: mein Lieblingsbefund

Wenn ich nur einen einzigen Effekt vorzeigen dürfte, wäre es dieser. Bei 1610 Fastenden sank der Blutdruck im Mittel um 6,5 zu 3,8 mmHg. Das klingt bescheiden – bis man genauer hinsieht: Bei Menschen mit unbehandeltem Hochdruck fiel er um 16,7 zu 8,8 mmHg, und bei Ausgangswerten über 160 zu 100 um etwa 23 zu 13 mmHg. Bei fast einem Viertel der behandelten Fastenden konnten Blutdruckmedikamente abgesetzt werden [3]. Bei reinem Wasserfasten über durchschnittlich zehn Tage waren es sogar 37 zu 13 mmHg, und 89 von 100 Teilnehmern hatten am Ende normale Werte [4].

Das Schönste daran: Der größte Teil dieser Senkung passiert in den ersten fünf Tagen. Und bei Menschen mit ohnehin niedrigem Blutdruck stieg der Wert im Fasten [3]. Fasten senkt also nicht stumpf, es normalisiert. Genau so verhält sich ein Regulationsprogramm – und nicht ein Medikament.

Die Waage lügt Sie an

Jetzt die Stelle, an der ich Erwartungen dämpfen muss, weil sonst später Enttäuschung droht.

Nach sieben Tagen reinem Wasserfasten waren in der Charité-Studie 5,7 Kilogramm weg. Davon aber nur 1,6 Kilogramm Fett – der Rest war Wasser und Magermasse [6]. Eine Auswertung von 49 Studien mit 1216 Erwachsenen bestätigt das Muster [11]. Wer die Zahl auf der Waage am letzten Fastentag für Fettverlust hält, täuscht sich also.

Und nun der Teil, der mich versöhnt: Nach nur drei Tagen Kostaufbau war die Magermasse fast vollständig zurück – der Fettverlust blieb [6]. Genau das, was Sie loswerden wollten, ist das, was bleibt.

Dahinter steckt aber eine Bedingung, und sie ist die wichtigste Botschaft dieser ganzen Seite. In einer Nachbeobachtung über fast sieben Jahre lag eine Fastengruppe ohne strukturierte Weiterbegleitung am Ende ein halbes Kilo über dem Ausgangsgewicht [12]. Das ist keine Schwäche des Fastens. Das ist die Gebrauchsanweisung: Fasten öffnet ein Fenster. Was Sie in den Wochen danach tun, entscheidet, ob es offen bleibt.

»Aber ich baue doch Muskeln ab!«

Keine Frage wird mir häufiger gestellt. Und sie ist berechtigt, denn wer sich am siebten Fastentag auf eine Körperanalysewaage stellt, sieht dort tatsächlich weniger Muskelmasse. Ich möchte Ihnen erklären, was da wirklich passiert – denn die Antwort ist erfreulicher, als das Display vermuten lässt.

Fangen wir mit dem Befund an, der für mich alles entscheidet: der Kraft. Denn Muskelmasse können Sie messen oder schätzen – Kraft können Sie nicht vortäuschen. In einer Studie mit sieben Tagen reinem Wasserfasten wurde die maximale Kraft der Oberschenkelmuskulatur vorher und nachher exakt gemessen, isometrisch und in drei verschiedenen Bewegungsgeschwindigkeiten. Das Ergebnis: unverändert. Kein messbarer Kraftverlust, obwohl die Messung 4,6 Kilogramm weniger Magermasse anzeigte [43]. In einer zehntägigen Fastenstudie mit 16 Männern blieb die Handkraft gleich – und die Beinkraft, gemessen mit einem Zugdynamometer, stieg um 33 Prozent [42]. Auch die Zeit, um 40 Treppenstufen hinaufzusteigen, verschlechterte sich nicht.

Wenn Sie also nach zehn Fastentagen stärker Treppen steigen als vorher, dann sind Ihre Muskeln nicht weg. Punkt.

Warum zeigt das Messgerät dann etwas anderes? Weil eine Impedanzmessung – die Bioimpedanzanalyse, mit der die meisten Waagen und Praxisgeräte arbeiten – gar keine Muskeln messen kann. Sie misst den elektrischen Widerstand Ihres Körpers und rechnet daraus, wie viel Wasser Sie enthalten. Aus dem Wasser wird dann die Magermasse geschätzt. Wenn sich Ihr Wassergehalt ändert, ändert sich das Ergebnis – ganz gleich, ob eine einzige Muskelzelle verloren ging.

Und genau das passiert beim Fasten, aus einem sehr banalen Grund. In Ihren Muskeln liegt Zucker in Form von Glykogen. Glykogen ist wasserliebend: Pro Gramm Glykogen sind etwa drei Gramm Wasser im Muskel gebunden – das wurde in Muskelbiopsien direkt gemessen [44]. Beim Fasten verbraucht Ihr Körper dieses Glykogen; nach sieben Tagen war der Glykogengehalt im Oberschenkelmuskel etwa halbiert [43]. Das gebundene Wasser hat damit seine Bindungsstelle verloren und verlässt den Muskel. Der Muskel wird kleiner im Volumen – aber die Zahl seiner Zellen und die Zahl seiner Muskelfasern bleibt dieselbe. In einer MRT-Untersuchung ließ sich das nachrechnen: In zwölf Fastentagen nahm das Muskelvolumen an Ober- und Unterschenkeln um 542 Milliliter ab, und diese Menge entsprach genau dem, was der Glykogenverbrauch erwarten lässt [45]. Muskelvolumen sagt schlicht wenig über den Eiweißgehalt eines Muskels aus.

In der Zehn-Tage-Studie haben die Forschenden den Gewichtsverlust sogar auseinandergerechnet. Von den 3,5 Kilogramm verlorener Magermasse gingen 44 Prozent auf Wasser außerhalb der Zellen zurück und 14 Prozent auf Glykogen mit seinem Wasser [42]. Knapp 60 Prozent dieser vermeintlichen Muskelverluste – gut zwei Kilogramm – waren also überhaupt kein Gewebe, sondern Wasser.

Bleibt der Rest – und hier bleibe ich ehrlich: Ja, in den ersten Fastentagen baut der Körper auch Eiweiß ab. Er muss es tun, weil er anfangs noch Zucker herstellen muss. Aber schauen Sie sich an, wie kurz diese Phase ist. Der Marker für Muskeleiweißabbau im Blut stieg in den ersten vier Tagen an – und ging danach wieder zurück. Die Stickstoffausscheidung im Urin, das Maß für den Eiweißumsatz, sank bis zum fünften Fastentag um 41 Prozent und blieb dann auf diesem niedrigen Niveau [42]. Genau parallel dazu erreichte die Ketose ihr Plateau, nämlich an Tag vier [42].

Das ist kein Zufall, das ist der Mechanismus. Sobald Ihr Körper genug Ketonkörper produziert, braucht er das Muskeleiweiß nicht mehr als Zuckerquelle – er schaltet in den Eiweißsparmodus. Die Autoren dieser Studie formulieren es nüchtern: Eiweißverlust findet im frühen Fasten statt und nimmt ab, sobald die Ketose steigt [42]. Anders gesagt: Die kritische Phase für Ihre Muskeln liegt am Anfang, nicht am Ende. Ab Tag fünf bis sieben schützt Sie Ihr eigener Stoffwechsel.

Und was Sie danach tun, macht den Rest. In der Charité-Studie war die Magermasse nach nur drei Tagen Kostaufbau fast vollständig zurück, während der Fettverlust blieb [6]. Deshalb bestehe ich so darauf: Bewegen Sie sich während des Fastens, essen Sie beim Kostaufbau ausreichend Eiweiß, und nehmen Sie das Krafttraining danach ernst. Dann verlieren Sie Fett und behalten Ihre Muskeln. Wer sich dagegen zwei Wochen nur ins Bett legt und danach weitermacht wie vorher, verschenkt genau den Teil, der zählt.

Leberfett, Diabetes und der eigentliche Hebel

Sie wissen aus meinem Buch, wie sehr mich dieses Thema umtreibt. Typ-2-Diabetes ist im Kern eine Verfettung von Leber und Bauchspeicheldrüse. Und die Forschung hat gezeigt, wie schnell sich das umkehren lässt: Bei elf Menschen mit Typ-2-Diabetes normalisierte sich der Nüchternzucker innerhalb einer Woche, das Leberfett fiel von 12,8 auf 2,9 Prozent, die Bauchspeicheldrüse erholte sich über acht Wochen [15]. In der großen DiRECT-Studie erreichten nach einem Jahr 46 Prozent eine Diabetes-Remission – und unter denen, die 15 Kilogramm abgenommen hatten, waren es 86 Prozent [16].

Diese Studien wurden mit Formuladiät gemacht, nicht mit Wasserfasten. Ich sage das ausdrücklich, weil man es überall anders liest. Was sie beweisen, ist der Mechanismus: Wenn das Fett aus der Leber verschwindet und draußen bleibt, dreht sich das Rad zurück.

Und was macht Fasten? Bei stationär Fastenden mit Typ-2-Diabetes verbesserte sich die Insulinempfindlichkeit um 38 Prozent – allerdings war dieser Gewinn nach 80 Tagen weitgehend verschwunden [14]. In der einzigen randomisierten Studie zu sieben Tagen Fasten bei Typ-2-Diabetes verbesserten sich Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck und Lebensqualität, der Langzeitzucker HbA1c aber nicht [13]. Wird das Fasten dagegen wiederholt, sieht das Bild anders aus: Bei sechs monatlichen Fastenzyklen fiel der HbA1c von 8,1 auf 6,7 Prozent, und bei zwei von drei Teilnehmenden konnten Diabetesmedikamente reduziert werden [18]. Und fünf Fastentage pro Monat senkten über ein Jahr messbar das Leberfett [19].

Für mich ergibt das ein sehr klares Bild: Einmal fasten ist ein kraftvoller Anfang. Regelmäßig fasten und dazwischen vernünftig leben – das ist die Therapie.

Was sicher ist, was zu erwarten ist, was offen ist

Diese Tabelle ist mir wichtig. Sie trennt drei Dinge, die in der Fastenwelt fast immer vermischt werden: was direkt am Menschen im Wasserfasten gemessen wurde, was aus verwandten Fastenformen und aus der Physiologie sehr gut begründet folgt – und was schlicht noch offen ist.

Effekt Wie sicher? Warum
Sicher durchführbar bei geprüften, begleiteten Personen belegt1422 plus 768 dokumentierte Fastenzeiten, kein Todesfall [1, 2]
Deutliche Senkung von erhöhtem Blutdruck belegt1610 Fastende; bis 23 zu 13 mmHg bei hohen Ausgangswerten [3, 4]
Umschalten auf Ketose ab Tag vier belegtüber 95 Prozent der Fastenden, Plateau Tag fünf [9, 10]
Kein Hungergefühl bei der großen Mehrheit belegt93,2 Prozent von 1422 Fastenden [1]
Energieverbrauch fällt nicht, sondern steigt belegtplus 14 Prozent nach vier Tagen Nulldiät [8]
Tiefgreifende Umstellung des Stoffwechsels ab Tag drei belegtüber 1000 veränderte Eiweißstoffe im Blut [6]
Fettverlust bleibt, Magermasse kehrt zurück belegtCharité-Studie, drei Tage Kostaufbau [6]
Muskelkraft bleibt beim mehrtägigen Fasten erhalten belegtOberschenkelkraft unverändert nach sieben Tagen [43]; Beinkraft plus 33 Prozent nach zehn Tagen [42]
Der Verlust an »Muskelmasse« im Messgerät ist überwiegend Wasser und Glykogen belegt58 Prozent der Magermasse-Abnahme sind Wasser und Glykogen [42]; MRT-Volumenabnahme entspricht dem Glykogenverbrauch [45]
Eiweißsparmodus ab dem fünften Fastentag belegtStickstoffausscheidung minus 41 Prozent ab Tag fünf, parallel zum Ketose-Plateau [42]
Bessere Insulinempfindlichkeit während und kurz nach dem Fasten belegtminus 38 Prozent Insulinresistenz [14]
Linderung bei rheumatoider Arthritis belegtrandomisierte Studie und Metaanalyse [20, 21]
Abbau von Leberfett durch reines Wasserfasten begründet zu erwartenfür Formuladiät und zyklisches Fasten direkt gemessen [15, 19]; bei null Kalorien ist der Reiz stärker, nicht schwächer
Diabetes-Umkehr über anhaltenden Gewichtsverlust begründet zu erwartenMechanismus und Dosis-Wirkung durch DiRECT belegt [16]; für Wasserfasten als Einstieg noch nicht in eigener Studie geprüft
Reduktion von Diabetesmedikamenten bei wiederholtem Fasten begründet zu erwartenfür zyklisches Fasten gezeigt: 67 Prozent [18]
Gesteigerte Autophagie, also Zellreinigung, beim Menschen begründet zu erwartenMechanismus zellbiologisch gesichert und nobelpreisgekrönt [22]; beim Menschen erst indirekt gemessen [23, 24]
Dauerhafte Dämpfung von Entzündung offenkurzfristig können einzelne Entzündungsmarker sogar steigen [32]
Verlängerte Lebenszeit beim Menschen offenim Tierversuch überzeugend, beim Menschen nicht direkt geprüft
Weniger Herzinfarkte, weniger Sterblichkeit offenkeine Studie mit diesen Endpunkten zum Wasserfasten
Nutzen bei Krebs offen, im Einzelfall abzulehnenermutigende Signale [35, 36], aber Fachgesellschaften raten während der Chemotherapie ab [33, 34]
Nutzen bei Demenz offentierexperimentell interessant, klinisch nicht belegt
Nutzen bei Migräne eher nichtDaten deuten auf Verschlechterung [37]

Bei der Autophagie werde ich noch etwas deutlicher, weil im Netz dazu die größten Behauptungen unterwegs sind. Der Nobelpreis 2016 wurde für Arbeiten an Hefezellen verliehen [22]. Beim Menschen haben wir Muskelbiopsien nach 72 Stunden mit widersprüchlichen Markern [23] und Messungen an Blutzellen [24]. Sätze wie »nach 16 Stunden beginnt die Autophagie« sind für den Menschen nicht belegt. Ich bin überzeugt, dass der Effekt real und bedeutend ist. Aber wer Ihnen eine Stundenzahl nennt, hat sie sich ausgedacht.

Der Blick über die Grenzen

Es gibt einen Erfahrungsschatz, der im Westen kaum bekannt ist. Juri Nikolaev behandelte in Moskau auf einer eigenen Station Patienten mit 20 bis 30 Fastentagen. Ein französisches Forschungsinstitut hat später über 1500 dieser Fälle durchgesehen – und sauber kritisiert, dass Diagnosen und Erfolgskriterien nicht nach internationalen Standards definiert waren [25]. In Burjatien wurden seit 1995 über 30 000 Patienten mit Fastenkuren behandelt [26]. In Indien gibt es aus der naturheilkundlichen Tradition eine randomisierte Studie mit 100 Teilnehmenden: zehn Tage Fasten senkten das Gewicht um 5,2 Prozent gegenüber 2,6 Prozent in der Kontrollgruppe [27].

Ich erzähle das, weil es zeigt: Zehntausende Menschen haben unter medizinischer Aufsicht sehr lange gefastet, und es ist gut gegangen. Aber Erfahrung ist kein Wirksamkeitsnachweis. Beides muss zusammenkommen.

Wer besser nicht fastet

Ich halte Wasserfasten für sicher, das kann ich nicht oft genug betonen. Aber natürlich gibt es Menschen, für die es nicht infrage kommt: Kinder, gebrechliche ältere Menschen, Schwangere und Stillende, Personen mit fortgeschrittener Herz-, Nieren- oder Leberschwäche, Untergewichtige sowie alle, die eine Essstörung haben oder hatten. Auch direkt nach einer Operation, im ersten halben Jahr nach einem Herzinfarkt oder während einer Infektion gilt: verschieben. Das Fasten läuft Ihnen nicht weg.

Zwei Dinge nehme ich sehr ernst. Erstens die Medikamente: Wer Insulin, Blutzuckertabletten, Blutdruck- oder Gerinnungsmittel nimmt, muss vorher mit einem Arzt klären, was weiterläuft, was reduziert und was abgesetzt wird. Pauschal geht hier nichts – bei manchen Substanzen ist das Absetzen sogar Pflicht [39, 40, 41]. Zweitens der Kostaufbau: Das ist die eigentlich kritische Phase, nicht das Fasten selbst [29, 30]. Wer nach zwei Wochen Verzicht unvorsichtig isst, riskiert mehr als in den 14 Tagen davor. Deshalb ist der Kostaufbau in unserem Programm genauso strukturiert wie die Fastenzeit.

Was wir jetzt herausfinden

Man könnte es dabei belassen, dass Daten fehlen. Wir machen das Gegenteil: Wir erheben sie.

An der TU Dresden bauen wir ein bundesweites Fastenregister auf. Es dokumentiert genau das, was in der Literatur bisher fehlt: Menschen, die ambulant und begleitet fasten – nicht in einer Spezialklinik. Sicherheit, Verträglichkeit und Abbruchgründe in Zahlen. Gewicht, Körperzusammensetzung, Blutdruck und Laborwerte über das Fasten hinaus bis in die Nachsorge. Und das, was Fastende selbst berichten: Lebensqualität, Beschwerden, Wohlbefinden. Damit wird prüfbar, was ich hier als These formuliere – dass der bleibende Nutzen in den Wochen nach dem Fasten entschieden wird. Ein sauber geführtes Register ist zudem die Voraussetzung für die randomisierten Studien, die diesem Feld fehlen.

Das Register ist fachlich fertig und durchläuft derzeit das Ethikverfahren. Sobald die Freigabe vorliegt, informieren wir darüber, wie Sie teilnehmen können. Dann wird aus Ihrer Fastenzeit nicht nur Ihr persönlicher Gewinn, sondern auch ein Datenpunkt, der anderen hilft.

Parallel läuft eine zweite Sache, die mir viel bedeutet: Als Präsident der International Diabetes Federation habe ich eine Initiative angestoßen, in der über 120 Experten weltweit die verfügbaren Daten zu 19 Fastenformen zusammentragen und bewerten. Am Ende soll eine Leitlinie stehen, die Ärztinnen und Ärzten sagt, welche Fastenform für wen geeignet ist. Damit Ihr Hausarzt beim Thema Fasten nicht mehr abwinken muss, sondern mitreden kann.

Was ich Ihnen mitgeben möchte

Die Evidenz zum Wasserfasten ist besser, als Kritiker behaupten – und schwächer, als Begeisterte gern hätten. Belastbar ist: Es ist sicher, wenn die Vorbereitung stimmt. Es senkt hohen Blutdruck zuverlässig und stark. Es entlastet Leber und Stoffwechsel. Es schaltet den Körper nachweislich in ein anderes Programm. Und die allermeisten Menschen erleben es nicht als Qual, sondern als Klarheit.

Was fehlt, sind große Studien mit langer Nachbeobachtung, und Daten aus dem Alltag statt nur aus Spezialkliniken. Daran arbeiten wir gerade.

Und der eine Satz, den ich Ihnen wirklich mitgeben will: Fasten wirkt – aber es wirkt über das, was danach kommt. Der Fettverlust bleibt, die Muskeln kommen zurück, der Blutdruck bleibt unten, wenn Kostaufbau, Ernährung und Bewegung stimmen. Wer das Wasserfasten als Neustart versteht und nicht als Kur, hat die Wissenschaft auf seiner Seite.

Vorbereitung ist wichtiger als Aufsicht. Wer gesund ist und sich gut vorbereitet, kann diese zwei Wochen auch allein gehen. Empfehlen würde ich trotzdem immer eine Begleitung — sie muss nicht vor Ort sein. Sie kann online stattfinden, in einer Fastengruppe, oder einfach darin bestehen, dass Sie jemanden fragen können, wenn eine Frage auftaucht. Genau dafür gibt es meinen Fastenkanal: Er ist die Grundform der Begleitung für alle, die es allein machen. Dort können Sie fragen, mitlesen und von den Erfahrungen anderer lernen.

Die Unterlagen für eine gute Vorbereitung finden Sie hier: die Vorbereitungsbroschüre und die Fastenbroschüre begleiten Sie Tag für Tag. Was vor dem Fasten zu klären ist, steht ausführlich auf dieser Website.

Jeder kann fasten. Jeder kann sich entscheiden, zwei Wochen lang nichts zu essen. Je kränker jemand ist und je mehr Medikamente er nimmt, desto wichtiger wird eine fastenerfahrene Begleitung — durch eine ausgebildete Fastenbegleitung oder fastenerfahren ärztlich. Diese Begleitung kann digital sein, so wie Sie sie hier auf dieser Website bekommen.

Ich habe es selbst getan, ich habe viele Menschen dabei begleitet, und ich habe die Zahlen dazu gelesen. Meine Überzeugung nach all dem: Sie können das. Prüfen Sie vorher, ob Sie zu den wenigen gehören, für die es nicht geeignet ist. Klären Sie Ihre Medikamente. Und dann trauen Sie sich.

Sie wollen es genauer wissen

Diese Seite ist die Gesamtübersicht in verständlicher Sprache. Zu einzelnen wissenschaftlichen Fragen entstehen nach und nach eigene Evidenzdokumente mit vollständigen Literaturstellen — Wasserfasten bei Krebs, bei Diabetes, bei Demenz, dazu Zuckerersatzstoffe und Intervallfasten.

Zur vertiefenden Evidenz Für Fachkreise

Zum Nachlesen

Jede Zahl auf dieser Seite ist hier nachprüfbar.

  1. Wilhelmi de Toledo et al., PLoS ONE 2019 – 1422 Fastende
  2. Finnell et al., BMC Complement Altern Med 2018 – 768 Wasserfasten-Aufenthalte
  3. Grundler et al., J Am Heart Assoc 2020 – Blutdruck bei 1610 Fastenden
  4. Goldhamer et al. 2001 – Wasserfasten bei Hypertonie
  5. Nutrients 2024 – Blutdruck ein Jahr nach dem Fasten
  6. Pietzner et al., Nature Metabolism 2024 – sieben Tage Wasserfasten, 3000 Proteine
  7. Landau et al., J Clin Invest – Glykogenspeicher im Fasten
  8. Zauner et al., Am J Clin Nutr 2000 – Energieverbrauch und Noradrenalin
  9. Ketonkörper-Auswertung bei 1610 Fastenden
  10. Owen et al. 1967 – das Gehirn nutzt Ketonkörper
  11. Nutrition Reviews 2026 – Metaanalyse aus 49 Studien zur Körperzusammensetzung
  12. Beer et al. – Gewichtsverlauf 6,8 Jahre nach dem Fasten
  13. Li, Michalsen et al. 2017 – randomisierte Studie zu sieben Tagen Fasten bei Typ-2-Diabetes
  14. Stange, Michalsen et al. 2013 – Insulinresistenz im stationären Fasten
  15. Lim, Taylor et al., Diabetologia 2011 – Counterpoint-Studie zum Leberfett
  16. Lean et al., Lancet 2018 – DiRECT-Studie zur Diabetes-Remission
  17. DiRECT nach fünf Jahren, Lancet Diabetes Endocrinol 2024
  18. Sulaj et al., J Clin Endocrinol Metab 2022 – sechs Fastenzyklen bei Typ-2-Diabetes
  19. FIT-Trial 2025 – Leberfett unter monatlichem Fasten
  20. Kjeldsen-Kragh et al., Lancet 1991 – Fasten bei rheumatoider Arthritis
  21. Müller, Wilhelmi de Toledo, Resch 2001 – Metaanalyse dazu
  22. Nobelpreis für Medizin 2016 – Autophagie-Forschung von Yoshinori Ohsumi
  23. Vendelbo et al. 2014 – Autophagie-Marker im Muskel nach 72 Stunden
  24. Hofer et al., Nature Cell Biology 2024 – Autophagie-Messung beim Menschen
  25. INSERM-Bericht 2014 – Bewertung der russischen Fastenmedizin
  26. Mitkinov 2024 – Fastentherapie in Burjatien
  27. Randomisierte Studie am SDM College of Naturopathy, Ujire
  28. Cott 1971 – Bericht über Nikolaevs Fastenstation in Moskau
  29. NICE-Leitlinie CG32 – Risiko beim Kostaufbau
  30. Mehanna et al., BMJ 2008 – Refeeding-Syndrom
  31. Fallbericht – Wernicke-Enzephalopathie nach 40 Tagen Wasserfasten
  32. Molecular Metabolism 2025 – Entzündungsmarker im Wasserfasten
  33. ESPEN-Leitlinie – Ernährung bei Krebs
  34. Krebsinformationsdienst des DKFZ – Krebsdiäten
  35. de Groot et al., Nature Communications 2020 – fastenimitierende Diät bei Brustkrebs
  36. Raffaghello, Longo et al., PNAS 2008 – differenzielle Stressresistenz
  37. Ebbert 2025 – Fasten und Migräne
  38. ADA Standards of Care 2026 – Fasten bei Diabetes, medizinische Überwachung
  39. FDA-Fachinformation Dapagliflozin – Absetzen vor längerem Fasten
  40. EPIDIAR-Studie – Unterzuckerungen beim Fasten mit Diabetes
  41. Berger, Stange et al., Nutrition 2021 – Fasten bei Typ-1-Diabetes
  42. Grundler, Wilhelmi de Toledo et al., J Cachexia Sarcopenia Muscle 2021 – Muskel- und Eiweißverlust im zehntägigen Fasten
  43. Kolnes et al., Nature Communications 2025 – Kraft und Leistung nach sieben Tagen Wasserfasten
  44. Fernández-Elías et al. 2015 – drei Gramm Wasser pro Gramm Muskelglykogen
  45. Mesnage, »Myths and Facts in the Debates on the Effects of Long-Term Fasting« – Muskelvolumen, MRT und die Grenzen der Impedanzmessung

Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Längeres Wasserfasten sollte vor Beginn medizinisch geprüft und während der Durchführung begleitet werden – besonders dann, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen.

Jeden Monat eine Frage genauer

Diese Seite beantwortet die großen Fragen. Manche kleinen Fragen brauchen mehr Platz, als hier ist — deshalb nehmen wir uns jeden Monat eine einzelne vor und arbeiten sie vollständig durch: was die Studien zeigen, was daraus folgt und was offen bleibt.

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