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Wasserfasten nach Prof. Schwarz

Fasten verstehen — Teil 4 von 5

Medikamente und Fasten: was belegt ist, was Vorsicht braucht, was niemand weiß

„Muss ich Metformin absetzen?“ ist nach den Symptomen die zweithäufigste Frage, die mich erreicht. Die gute Nachricht zuerst: Medikamente sind selten ein Grund, das Fasten zu streichen — sie sind ein Grund, es begleitet zu tun. Ich sortiere hier nicht nach Wirkstoffgruppen, sondern nach Wissensstand. Denn der Unterschied zwischen „gut untersucht“ und „nicht untersucht“ ist für Sie der wichtigste.

Vorab und ohne Ausnahme: Setzen Sie kein Medikament eigenständig ab und verändern Sie keine Dosis, auch nicht „nur für die Fastenwoche“. Auf dieser Seite finden Sie keine Dosierungen und keine individuellen Empfehlungen — die kann niemand seriös auf einer Website geben, ohne Sie zu kennen.

Geben Sie den Namen des Wirkstoffs oder der Gruppe ein — die Liste filtert sich sofort. Sie finden hier keine Dosierungen, sondern die Frage, die Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt klären sollten. Die Spalte rechts sagt Ihnen ehrlich, wie gut das jeweils untersucht ist.

GruppeBeispieleWas im Fasten giltWissensstand
InsulinInsulin glargin, degludec, detemir, aspart, lispro, HumaninsulinDer Bedarf sinkt im Fasten deutlich und ab dem ersten Tag. Ohne Anpassung droht eine Unterzuckerung. Die Anpassung gehört in ärztliche Hände, begleitet von täglicher Blutzucker- und Ketonmessung.Belastbare Daten
SGLT2-Hemmer (Gliflozine)Dapagliflozin, Empagliflozin, ErtugliflozinDiese Gruppe kann im Fasten eine Ketoazidose auslösen, auch bei normal aussehendem Blutzucker. Sie wird vor dem Fasten abgesetzt, in der Regel mehrere Tage vorher, weil die Wirkung länger anhält als die letzte Tablette.Belastbare Fallserien
SulfonylharnstoffeGlimepirid, Gliclazid, GlibenclamidSie senken den Blutzucker unabhängig davon, ob Sie essen. Unverändert weitergenommen ist das Unterzuckerungsrisiko hoch. Anpassung vor dem ersten Fastentag.Keine belastbaren Empfehlungen
MetforminMetforminWird in der Praxis häufig für die Fastenzeit pausiert, vor allem wegen Magen-Darm-Beschwerden und der Frage der Nierenfunktion. Belastbare Studien zu mehrtägigem Fasten gibt es dazu nicht.Keine belastbaren Empfehlungen
GLP-1-MedikamenteSemaglutid, Liraglutid, Dulaglutid, TirzepatidSie verlangsamen die Magenentleerung und dämpfen den Appetit ohnehin; im Fasten verstärkt sich beides. Zusammen mit Insulin oder Tabletten steigt das Unterzuckerungsrisiko. Ob die Spritze weiterläuft, gehört vorher besprochen — auch der Kostaufbau verläuft damit anders.Keine belastbaren Empfehlungen
DPP-4-HemmerSitagliptin, Linagliptin, SaxagliptinAllein genommen ist das Unterzuckerungsrisiko gering. Entscheidend ist die Begleitmedikation: In Kombination mit Insulin oder einem Sulfonylharnstoff gilt das Risiko der Partnersubstanz.Keine belastbaren Empfehlungen
BlutdruckmittelRamipril, Enalapril, Candesartan, Valsartan, Metoprolol, Bisoprolol, AmlodipinDer Blutdruck fällt im Fasten von selbst. Fast alle brauchen dann weniger, manche vorübergehend nichts. Ohne Anpassung drohen Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen und Stürze. Nach dem Fasten muss der Wiederanstieg kontrolliert werden.Belastbare Daten
Entwässerungsmittel (Diuretika)Hydrochlorothiazid, Torasemid, Furosemid, SpironolactonIm Fasten verschieben sich Wasser- und Salzhaushalt ohnehin; Natrium und Chlorid sinken nach acht bis zehn Tagen. Diuretika verstärken das. Enge Kontrolle, häufig Reduktion.Keine belastbaren Empfehlungen
Blutverdünner und PlättchenhemmerPhenprocoumon (Marcumar), Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Acetylsalicylsäure, ClopidogrelKeine belastbaren Empfehlungen für mehrtägiges Fasten. Bei Phenprocoumon ist der INR-Wert engmaschig zu kontrollieren, weil sich Vitamin-K-Zufuhr und Stoffwechsel ändern. Nie eigenständig pausieren.Keine belastbaren Empfehlungen
SchilddrüsenhormoneLevothyroxin (L-Thyroxin), LiothyroninWerden in aller Regel unverändert fortgeführt. Sie gehören nüchtern eingenommen — das passt im Fasten sogar besser als sonst. Nach deutlichem Gewichtsverlust kann sich der Bedarf ändern; das ist ein Thema für die Kontrolle danach, nicht für die Fastenzeit.Expertenmeinung
MagensäureblockerPantoprazol, Omeprazol, EsomeprazolIn der Regel fortführen. Abruptes Absetzen kann zu vermehrter Säureproduktion führen. Manche Menschen brauchen im Fasten sogar eher mehr Schutz, weil der Magen leer ist.Expertenmeinung
AntidepressivaSertralin, Citalopram, Escitalopram, Venlafaxin, Duloxetin, Mirtazapin, AmitriptylinFortführen. Bitte nicht absetzen und nicht reduzieren, um „den Körper zu entlasten“ — Absetzbeschwerden und ein Rückfall in eine depressive Phase sind das größere Risiko. Manche dieser Mittel senken zusätzlich den Blutdruck; das gehört mit der Blutdruckmedikation zusammen betrachtet.Expertenmeinung
LithiumLithiumDer Spiegel hängt unmittelbar am Salz- und Wasserhaushalt, und genau der verschiebt sich im Fasten. Ohne regelmäßige Spiegelkontrolle ist mehrtägiges Fasten hier nicht vertretbar.Keine belastbaren Empfehlungen
AntiepileptikaLevetiracetam, Lamotrigin, Valproat, CarbamazepinSpiegelverschiebungen sind möglich. Enge Kontrolle, keine eigenständige Änderung. Bei einer Epilepsie gehört die Entscheidung über das Fasten in die behandelnde Neurologie.Keine belastbaren Empfehlungen
KortisonPrednisolon, Hydrocortison, DexamethasonFortführen. Eine Dauertherapie darf nicht eigenständig abgesetzt werden. Bei Stress — und mehrtägiges Fasten ist Stress für den Körper — kann der Bedarf sogar steigen; das gehört vorher besprochen.Expertenmeinung
HerzglykosideDigitoxin, DigoxinEnge Kontrolle. Verschiebt sich das Kalium im Fasten oder im Kostaufbau, steigt das Risiko für Rhythmusstörungen.Keine belastbaren Empfehlungen
Schmerzmittel vom NSAR-TypIbuprofen, Diclofenac, NaproxenIm Fasten möglichst meiden. Sie belasten Magenschleimhaut und Nieren — beides steht im Fasten ohnehin unter Spannung, der Magen ist leer und die Flüssigkeitsbilanz verändert. Wenn Sie sie dauerhaft brauchen, ist das ein Punkt für das Vorgespräch.Expertenmeinung
Andere SchmerzmittelParacetamol, Metamizol, OpioideGelegentliche Einnahme ist meist vertretbar; Paracetamol wird in der Leber verstoffwechselt, die im Fasten anders arbeitet, deshalb sparsam und nie über der zugelassenen Tagesmenge. Eine Dauertherapie gehört besprochen.Expertenmeinung
Hormonelle VerhütungKombinationspille, Minipille, HormonpflasterWird fortgeführt. Wichtig sind zwei andere Punkte. Erstens: Kommt es zu Erbrechen oder starkem Durchfall — auch durch das Abführen zu Fastenbeginn — kann der Empfängnisschutz für diesen Zyklus entfallen. Zweitens: Auch das Fasten selbst kann den Empfängnisschutz aufheben. Über zwei Wochen ohne Nahrung verändert sich der Hormonstoffwechsel deutlich — Aufnahme, Verstoffwechselung in der Leber und der eigene Zyklus verschieben sich. Verhüten Sie deshalb während der Fastenzeit und in den Tagen des Kostaufbaus zusätzlich nicht-hormonell, und lesen Sie die Regelung in Ihrem Beipackzettel nach.Expertenmeinung
Mittel, die zu einer Mahlzeit gehörenVerdauungsenzyme, manche Antibiotika, einige Eisen- und KalziumpräparateOhne Mahlzeit ändert sich die Aufnahme. Meist gibt es eine einfache Lösung — einen anderen Einnahmezeitpunkt, eine andere Darreichungsform oder das Verschieben des Fastentermins. Man muss sie nur vorher kennen.Expertenmeinung

Diese Übersicht ersetzt weder den Beipackzettel noch das Gespräch in Ihrer Praxis oder Apotheke. Setzen Sie nichts eigenständig ab und ändern Sie keine Dosis. Was in den Abschnitten darunter steht, geht bei den am besten untersuchten Gruppen deutlich tiefer.

Die drei Gruppen im Einzelnen

Klare Datenlage

Hier gibt es belastbare Zahlen — sie sagen vor allem eines: Diese Medikamente müssen im Fasten angepasst werden, und zwar von einer fastenerfahrenen Ärztin oder einem fastenerfahrenen Arzt.

Insulin bei Typ-1-Diabetes

In einer Untersuchung mit 20 Menschen mit Typ-1-Diabetes über sieben Fastentage sank die mittlere Insulintagesdosis von 24,4 auf 7,6 Einheiten am siebten Tag; bei täglicher Glukose- und Ketonmessung trat keine Ketoazidose auf (Berger 2021).

Diese Zahl beschreibt einen engmaschig überwachten Studienablauf — sie ist keine Anleitung. Für das reine Wasserfasten gilt Typ-1-Diabetes in der Fachliteratur weiterhin als „typischerweise kontraindiziert“ (Übersichtsarbeit).

Blutdruckmedikamente

Der Blutdruck fällt im Fasten deutlich, deshalb wird die Medikation regelmäßig zu hoch. In der randomisierten Charité-Studie sank der Medikationsbedarf in der Fastengruppe um 43 Prozent, in der Vergleichsgruppe um 17 Prozent (Maifeld 2021, Nature Communications). In einer weiteren Studie setzten 15 von 29 Hypertonikern unter Fasten alle Blutdruckmittel ab — nach zwölf Monaten brauchten sieben von ihnen wieder eine Medikation (Nutrients 2024).

Das ist eine gute Nachricht und ein Risiko in einem: Ohne Anpassung droht ein zu niedriger Blutdruck mit Schwindel und Sturzgefahr, ohne Kontrolle nach dem Fasten ein unbemerkter Wiederanstieg.

Besondere Vorsicht

SGLT2-Hemmer

Wirkstoffe, die auf „-gliflozin“ enden, etwa Dapagliflozin oder Empagliflozin. Sie können eine Ketoazidose bei normalem Blutzucker auslösen — die euglykämische Ketoazidose, die deshalb leicht übersehen wird. In einer Literaturauswertung der Jahre 2010 bis 2020 war Fasten in elf dokumentierten Fällen der Auslöser (Übersicht zur euglykämischen Ketoazidose).

Die Halbwertszeit dieser Wirkstoffe liegt bei 8 bis 16 Stunden — die Wirkung endet also nicht mit der letzten Tablette. Wenn Sie einen SGLT2-Hemmer nehmen, führt Ihr Weg über eine fastenerfahrene ärztliche Begleitung.

Keine belastbaren Empfehlungen

Dieser Abschnitt ist der unbequemste dieser Seite — und der wichtigste.

Für die folgenden Substanzgruppen konnte in meiner Literaturrecherche keine belastbare Primärquelle mit konkreten Empfehlungen für mehrtägiges Fasten gefunden werden:

SubstanzgruppeStand des Wissens
MetforminKeine belastbaren Empfehlungen für mehrtägiges Fasten
SulfonylharnstoffeKeine belastbaren Empfehlungen; Unterzuckerungsrisiko im Fasten unklar quantifiziert
Entwässerungsmittel (Diuretika)Keine belastbaren Empfehlungen; gleichzeitig sinken Natrium und Chlorid nach 8 bis 10 Fastentagen
Blutverdünner (Antikoagulanzien)Keine belastbaren Empfehlungen
LithiumKeine belastbaren Empfehlungen

Zwei anerkannte Autoren fassen die Lage so zusammen: Es existieren keine medizinischen Leitlinien zum therapeutischen Fasten bei Diabetes, und die Evidenzbasis für eine solche Leitlinie ist „nahezu nicht vorhanden“ (Grajower & Horne 2019). Die Empfehlungen, die es gibt, sind ausdrücklich expertenbasiert.

Ich könnte diese Lücke überdecken. Stattdessen benenne ich sie, denn sie hat eine praktische Konsequenz: Wenn niemand weiß, wie Ihr Medikament sich im Fasten verhält, dann braucht es jemanden, der Sie dabei beobachtet. Das ist der ganze Grund für eine fastenerfahrene ärztliche Begleitung — nicht ein Verkaufsargument, sondern eine Wissenslücke.

Ergänzend zum Elektrolythaushalt: Weil Natrium und Chlorid nach acht bis zehn Tagen reinem Wasserfasten absinken, wird in der Literatur erwogen, Natriumchlorid zuzuführen (Übersichtsarbeit). Auch das ist eine Erwägung, keine Dosierungsangabe.

Ihr nächster Schritt: Ein Vorgespräch mit einer fastenerfahrenen Ärztin oder einem fastenerfahrenen Arzt, in dem Ihre Medikamentenliste, Ihre Vorbefunde und die geplante Fastendauer gemeinsam durchgesehen werden. Danach wissen Sie, wie Fasten für Sie geht — und Ihre behandelnde Praxis bekommt eine schriftliche Zusammenfassung.

Vorgespräch anfragen — vorab drei Minuten Begleitung finden

Fragen zu Fasten und Medikamenten greife ich im Newsletter regelmäßig auf — dort beantworte ich die Fragen, die mich am häufigsten erreichen: kostenlos abonnieren.

Das Gespräch mit Ihrer Ärztin vorbereiten

Die meisten Hausärztinnen und Hausärzte haben mit längerem Wasserfasten wenig Erfahrung. Das ist kein Vorwurf — es kommt im Praxisalltag schlicht selten vor. Genau deshalb endet das Gespräch oft mit einem unentschiedenen „Davon würde ich eher abraten“, ohne dass über das gesprochen wurde, worauf es ankommt: Ihre Medikamente.

Damit Sie nicht selbst erklären müssen, was im Stoffwechsel passiert, habe ich ein zweiseitiges Schreiben an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt verfasst. Es beschreibt den metabolischen Ablauf in drei Phasen, die daraus folgenden Anpassungen bei Blutzucker- und Blutdruckmedikamenten, die Frage der Laboruntersuchungen — und es bietet die direkte Rücksprache mit mir an. Sie drucken es aus, tragen oben Ihren Namen ein und legen es in der Sprechstunde vor.

Information für die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt
Zwei Seiten als PDF, zum Ausdrucken und Mitnehmen. Kostenfrei und ohne Anmeldung.

Schreiben herunterladen Gespräch begleiten lassen

Wenn Sie das Gespräch nicht allein führen möchten

Manchmal reicht das Schreiben nicht. Die Praxis hat Rückfragen, die Medikation ist komplex, oder Sie möchten nach dem Termin jemanden fragen, wie das Gesagte einzuordnen ist. Dafür gibt es diesen zweiten Weg: Sie tragen sich ein, und ich melde mich nach etwa zehn Tagen mit einer kurzen Nachfrage, wie das Gespräch gelaufen ist. War Ihre Ärztin unsicher, stehe ich der Praxis für eine kollegiale Rücksprache zur Verfügung.

Das Schreiben bekommen Sie oben auch ohne jede Eingabe. Dieser Weg ist freiwillig und dient nur der Begleitung. Sie erhalten dazu meinen Newsletter und können ihn jederzeit mit einem Klick abbestellen.

An diese Adresse geht zuerst die Bestätigungsmail.

Diese Seite dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Untersuchung.

Wie es weitergeht

Wenn Sie Ihre Medikamente persönlich besprechen möchten

Diese Seite kann allgemein einordnen, aber nichts über Ihre Medikation sagen. Dafür gibt es das Gespräch — mit Ihrer behandelnden Praxis und, wenn Sie möchten, zusätzlich mit mir.

  • Beratungsgespräch mit Prof. Schwarz — 15, 30 oder 60 Minuten, je nachdem wie viel Sie besprechen möchten
  • Fastenkanal — tägliche Videos und der Fastenchat für die Fragen zwischendurch, sieben Tage kostenfrei
  • Fastenbroschüre — das Nachschlagewerk für die vierzehn Tage · 18,00 €

15 Minuten · 85,00 € 30 Minuten · 160,00 € 60 Minuten · 300,00 € Fastenbroschüre ansehen Zum Fastenkanal