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Wasserfasten nach Prof. Schwarz

Fasten verstehen — Teil 3 von 5

Was in Ihrem Körper passiert, Tag für Tag

Das ist die häufigste Frage überhaupt in meinem Fastenchat: „Ist das noch normal?“ Deshalb finden Sie hier jeden der vierzehn Tage einzeln — was an diesem Tag geschieht, was andere Fastende an dieser Stelle erlebt haben, was dazugehört und wann Sie jemanden anrufen sollten.

Eine Einordnung vorweg: Die Zahlen stammen aus Studien mit begleiteten Fastenden. Sie beschreiben Verläufe, keine Vorschriften. Ihr eigener Verlauf kann davon abweichen, und das ist ein Grund für Rückfragen, nicht für Sorge. Ausführlicher steht dieser Fahrplan in meinem Buch „Wasserfasten“.

Direkt zu Ihrem Fastentag

Tageslicht wandert über eine ruhige helle Wand.
Vierzehn Tage, vierzehn Themen. Die unangenehmste Phase liegt fast immer am Anfang.
Tag 1

Es geht los

Heute ist der Tag. Sie haben aufgehört zu essen, und die ersten Stunden fühlen sich meistens noch überraschend unspektakulär an. Das ändert sich am Abend, wenn Ihr Körper zur gewohnten Zeit sein Abendbrot einfordert und nichts kommt.

Was jetzt in Ihnen passiert, ist im Grunde eine Räumung. In Leber und Muskulatur liegt Zucker gespeichert, Glykogen, und dieser Vorrat reicht für zwölf bis vierundzwanzig Stunden. An jedes Gramm davon ist Wasser gebunden. Deshalb geht in den ersten Tagen das Gewicht so erstaunlich schnell nach unten, und deshalb müssen Sie auch häufiger zur Toilette. Diese Pfunde kommen nach dem Fasten wieder — aber es ist nur Wasser, kein Fett.

Mein wichtigster praktischer Rat für heute: Stellen Sie sich morgens vier Literflaschen stilles Wasser hin. Drei bis vier Liter sollen es am Tag werden, und wenn die Flaschen sichtbar herumstehen, trinken Sie sie auch. Dazu einmal am Tag ein Glas Wasser mit einer Prise Kochsalz, rund zwei Gramm. Das ist keine Nebensache. Es ist die einzige Ergänzung, die Sie in diesen zwei Wochen wirklich brauchen.

Der Hunger heute ist echter Hunger und er ist unangenehm. Es hilft zu wissen, dass er nicht so bleibt. In der größten Auswertung, die es dazu gibt, mit 1.422 Fastenden, gaben 93 Prozent an, während des Fastens keinen Hunger verspürt zu haben (PLOS ONE 2019). Nicht heute. Aber bald.

Wenn etwas nicht stimmt: Wenn Sie blutzuckersenkende Mittel oder Blutdruckmedikamente nehmen und noch mit niemandem darüber gesprochen haben — tun Sie es heute, nicht morgen.

Tag 2

Trinken, trinken, trinken

„Muss ich wirklich so viel trinken?“, werde ich an dieser Stelle regelmäßig gefragt. Ja. Und zwar aus einem sehr praktischen Grund: Fast alles, was Menschen am zweiten und dritten Fastentag als Nebenwirkung erleben — Kopfschmerz, Benommenheit, dieses dumpfe Gefühl hinter der Stirn —, hat mit zu wenig Flüssigkeit zu tun und verschwindet mit einem großen Glas Wasser.

Ihr Körper stellt gerade um. Weg vom Zucker, hin zum Fett. Der Insulinspiegel fällt deutlich ab (Jiang 2021), und in dieser Übergangszeit ist Ihr Stoffwechsel noch nicht eingespielt. Das merken Sie.

Was Sie trinken dürfen: stilles Wasser, Kräutertee, Grüntee, Schwarztee, Ingwerwasser. Was Sie besser lassen: Früchtetee, weil die Fruchtsäure den Darm anregt und Hungergefühle auslösen kann. Zucker sowieso nicht, Erythrit auch nicht. Wenn Sie ohne Süße gar nicht auskommen, dann notfalls ein wenig Stevia. Die vollständige Liste — auch zu Kaffee, Kombucha, Light-Getränken und Geschmackstropfen — steht unter Was darf ich trinken?

Und noch etwas: Der Mund fühlt sich trocken an, die Zunge belegt. Ein Zungenschaber oder schlicht der Rand eines Teelöffels hilft mehr als jedes Mundwasser. Kaugummi dagegen ist keine gute Idee — das Kauen bringt die Verdauungssäfte in Gang und macht den Hunger größer, nicht kleiner.

Wenn etwas nicht stimmt: Bei Erbrechen, das nicht aufhört, oder wenn Ihnen beim Aufstehen mehrfach schwarz vor Augen wird.

Tag 3

Jetzt heißt es dranbleiben

Ich mache Ihnen nichts vor: Tag 3 und Tag 4 sind für die meisten Menschen die härtesten der ganzen zwei Wochen. Wenn Sie heute schlecht gelaunt sind, frieren, Kopfschmerzen haben und sich fragen, warum Sie sich das eigentlich antun — dann sind Sie genau da, wo alle anderen an Tag 3 auch waren.

Es hilft, das einzuordnen. Ihr Körper ist gerade in der Ketose angekommen oder steht kurz davor — was das genau heißt, woran Sie es merken und ob Sie messen müssen, steht ausführlich auf der Ablaufseite. Er hat den Zucker aufgebraucht und arbeitet sich in einen Stoffwechsel ein, den er seit Ihrer Kindheit vermutlich nicht mehr in dieser Tiefe gebraucht hat. Das ist Arbeit. Und Arbeit macht müde.

Mein Merksatz für heute lautet: erst akzeptieren, dann ignorieren. Der Hunger ist da, das Frösteln ist da, die miese Laune ist da. Sie müssen das nicht wegdiskutieren. Sie müssen es nur nicht ernst nehmen.

Planen Sie diese beiden Tage bewusst ruhig. Keine wichtigen Termine, keine langen Autofahrten, keine Diskussionen, die Sie auch nächste Woche führen können. Gehen Sie stattdessen Ihre Schritte. Zehntausend am Tag sind das Minimum, und ich weiß, dass das heute nach viel klingt. Ein bewegter Muskel wird nicht abgebaut — das ist der ganze Grund.

Ein Achtundzwanzigstel Ihres Vorhabens liegt bereits hinter Ihnen. Das klingt nach wenig. Es ist aber der Teil, den die meisten Menschen gar nicht erst anfangen.

Wenn etwas nicht stimmt: Bei Herzrasen in Ruhe oder Schwindel, der auch im Sitzen nicht nachlässt.

Nachts um drei allein? Im Fastenchat ist jemand wach.

Genau in diesen Tagen kommen die meisten Fragen — und zwar spätabends. Im Fastenkanal gibt es dafür einen sehr aktiven Fastenchat und mehr als 700 Videos, in denen die häufigsten Verläufe schon einmal durchgesprochen wurden.

Zum Fastenkanal und seinen vier Leveln

Tag 4

Genussmittel: Was ist erlaubt?

Eine Teilnehmerin, vierundfünfzig Jahre alt, hat mir einmal gesagt, sie könne auf alles verzichten, aber nicht auf ihren Espresso am Morgen. Das sei kein Koffein, das sei ein Ritual. Meine ganz ehrliche Meinung dazu: Wenn ein kleiner Espresso am Tag der Unterschied ist zwischen zwei Wochen Fasten und gar keinem Fasten — dann trinken Sie den Espresso.

Genauso halte ich es mit Kopfschmerzen. Wenn Sie viel getrunken haben, Ihr Salzwasser hatten und der Kopf trotzdem nicht aufhört zu dröhnen, dann dürfen Sie ausnahmsweise ein Ibuprofen nehmen. Es ist mir lieber, Sie kommen mit einer Tablette durch Tag 4, als dass Sie abbrechen.

Bei einem bin ich allerdings nicht großzügig, und das ist Nikotin. Rauchen und Fasten schließen sich aus. Nicht als moralische Frage, sondern weil der nüchterne Magen und das Nikotin zusammen eine Kombination ergeben, die Ihnen den Kreislauf umlegt.

Alkohol ist ebenfalls kein Thema. Eine Frau hat mir erzählt, sie habe am vierten Tag auf der Terrasse gesessen, alle anderen mit einem Sommerdrink in der Hand, und sie mit ihrem Wasserglas. Sie hat es durchgestanden — und mir hinterher gesagt, das sei der Moment gewesen, in dem ihr klar wurde, dass sie es wirklich schafft.

Wenn etwas nicht stimmt: Wenn Sie an Gicht leiden oder eine Nierenerkrankung haben. Die Harnsäure steigt beim Fasten deutlich an, in einer Untersuchung von 366 auf 788 Mikromol pro Liter (Jiang 2021). Das ist der Punkt, an dem eine fastenerfahren ärztliche Kontrolle sinnvoll ist.

Tag 5

Nach der Krise kommt das Fasten-High

Und dann, meistens irgendwann an Tag 5, passiert etwas Merkwürdiges. Sie wachen auf und der Nebel ist weg. Der Kopf ist klar, der Hunger ist verschwunden, und Sie haben das Gefühl, Sie könnten den ganzen Tag durchhalten, ohne auch nur einen Gedanken an Essen zu verschwenden. Viele beschreiben es als leicht euphorisch.

Das ist keine Einbildung. Ihr Körper schüttet unter dem Fasten vermehrt Endorphine und Serotonin aus. Evolutionär ergibt das Sinn: Ein Organismus, der nichts zu essen findet, darf nicht müde und trübsinnig in der Höhle liegen bleiben. Er muss wach sein, klar denken und losgehen. Genau das erleben Sie gerade.

In Messungen sind an Tag 5 bei 95 Prozent der Teilnehmenden die Ketone im Urin deutlich erhöht (Jiang 2021). Was Sie subjektiv als Klarheit erleben, lässt sich also auch im Becher nachweisen.

Gleichzeitig — und das gehört zur ehrlichen Beschreibung dazu — sind Sie körperlich nicht so belastbar wie sonst. Der Blutdruck ist niedriger, beim schnellen Aufstehen wird es Ihnen kurz schwarz, Hände und Füße sind kälter. Das Fasten-High ist im Kopf, nicht in den Beinen.

Nutzen Sie diesen Tag. Machen Sie etwas, für das Sie sonst nie den Kopf frei haben.

Tag 6

Ihre Haut verändert sich

Sie sind mitten drin. Je nach Ausgangsgewicht bauen Sie inzwischen jeden Tag etwa 200 bis 300 Gramm Körperfett ab — allein dadurch, dass Sie konsequent aufgehört haben zu essen. Wahrscheinlich merken Sie das längst am Hosenbund und trauen Ihren Augen kaum, wenn Sie auf die Waage steigen.

Nicht alle Veränderungen sind angenehm. Immer wieder melden sich Fastende bei mir, weil sie plötzlich Pickel bekommen, unreine Haut, bei manchen sogar einen regelrechten Ausschlag. Das ist irritierend, es kann unangenehm sein — gefährlich ist es nicht.

Was hilft: milde Reinigung, eine beruhigende Feuchtigkeitscreme, gern mit Aloe vera. Sanfte Peelings und Reinigungsmasken. Bei örtlichen Reizungen Heilerde oder ein Kleiebad. Wechselduschen und sanfte Massagen tun der Durchblutung gut.

Und die gute Nachricht: Das betrifft vor allem die ersten Tage. Zwischen Tag 5 und Tag 7 bessert es sich bei den meisten. Danach berichten viele von einem klareren, strafferen und frischeren Hautbild. Eine Teilnehmerin hat mir geschrieben, ihre Haut sei „glatt wie ein Babypopo“. Für manche Menschen ist genau das der Grund, warum sie überhaupt fasten.

Wenn etwas nicht stimmt: Bei einem sehr starken, schmerzhaften Ausschlag — vor allem, wenn Fieber dazukommt. Dann bitte zum Arzt.

Tag 7

Keine Angst vor Körpergeruch

„Mama, warum riechst du so komisch aus dem Mund?“ Diese Frage stellte der achtjährige Sohn einer Teilnehmerin, die ich begleitet habe. Sie hatte davon gehört, dass sich beim Fasten der Atem verändern kann. Aber darauf angesprochen zu werden, hat sie doch verunsichert.

Eine andere Frau erzählte mir, genau das halte sie vom Fasten ab. Sie hatte als junge Frau eine Kollegin, die regelmäßig gefastet habe und dabei „ganz merkwürdig und sehr streng“ gerochen habe.

Ich konnte beide beruhigen und möchte auch Ihnen diese Sorge nehmen. Ja, die Körpergeruchsänderung gibt es. Der Atem riecht bei manchen etwas säuerlich, ein wenig nach Nagellackentferner — das ist Aceton, ein Abbauprodukt der Ketose. Aber ich habe es noch nie erlebt, dass der Geruch für die Umgebung wirklich unerträglich gewesen wäre. Der Sohn hat es beim Kuscheln bemerkt. Also aus wenigen Zentimetern Entfernung.

Mein Rat ist unromantisch, aber wirksam: Erzählen Sie den Menschen um Sie herum, dass Sie fasten. Wer weiß, woher der Geruch kommt, findet ihn nicht schlimm — die meisten werden schlicht neugierig.

Praktisch hilft ein Zungenschaber, eine Mundspülung mit Salbei- oder Fencheltee und das Ölziehen: morgens einen Esslöffel Bio-Speiseöl drei bis fünf Minuten durch die Zahnzwischenräume ziehen, ausspucken, Zähne putzen. Und im Übrigen: trinken, trinken, trinken.

Tag 8

Der Countdown beginnt

Ist es nicht unglaublich? Die Hälfte ist geschafft. Von heute an dürfen Sie herunterzählen. Rechnerisch war das natürlich immer schon so. Aber es fühlt sich erst ab der Hälfte auch so an.

Trotzdem will ich Ihnen und mir nichts vormachen: Auch in der zweiten Woche wird es Tage geben, an denen Sie aufhören wollen. Eine Frau hat mir erzählt, sie sei nach dreizehn erfolgreichen Tagen am Abendbrottisch mit ihren Kindern beinahe schwach geworden. Sie hat durchgehalten. Aber leicht war es in diesem Moment nicht.

Etwas anderes beschäftigt in dieser Phase viele, spricht aber kaum jemand von selbst an: Die Lust auf Sex ist weg. Bei Männern wie bei Frauen. Das ist eine häufige Begleiterscheinung des Fastens: Ein Rückgang des sexuellen Verlangens ist in Untersuchungen zum Fasten beschrieben, während sich die Hormonwerte selbst dabei nicht einheitlich verhalten (Übersicht 2026). Ihr Körper reserviert seine Reserven offenbar für das, was er gerade für wichtiger hält.

Evolutionär ist das sogar vernünftig. Eine Hungersnot ist kein guter Zeitpunkt für Nachwuchs. Dass Sie freiwillig fasten, weiß Ihr Körper ja nicht. Er schützt Sie sozusagen vor Dummheiten.

Und keine Sorge: Das normalisiert sich nach dem Fasten sehr schnell wieder. Der Moment, an dem alles wieder ist wie vorher, liegt weniger als 168 Stunden entfernt.

Tag 9

Ihr Körper arbeitet auf Hochtouren

Ich will noch nicht vom Endspurt sprechen. Aber wenn Sie heute Abend ins Bett gehen, sind es nur noch fünf Tage.

Manche berichten jetzt von einer gewissen Ermüdung. Die Euphorie der ersten Woche ist abgeflacht, das Gewicht sinkt langsamer, der kleine Kick beim Blick auf die Waage bleibt aus. Vielleicht sehnen Sie sich einfach danach, mal wieder etwas zu kauen.

Achten Sie stattdessen auf das, was gerade gut funktioniert. Viele Fastende stellen in der zweiten Woche fest, dass sie sich außergewöhnlich gut konzentrieren können, dass ihnen Ideen kommen, die sie seit Jahren nicht hatten. Nutzen Sie das. Planen Sie Zeit für etwas ein, das Ihnen Freude macht — es entspannt, und ganz nebenbei denken Sie dabei nicht ans Essen.

Auch körperlich sind Sie vermutlich erstaunlich leistungsfähig. Dass Sie Ihre zehntausend Schritte schaffen, ohne etwas gegessen zu haben — das ist bemerkenswert, finden Sie nicht? In einer Untersuchung war die maximale Kraft der Beinstrecker nach sechs Fastentagen unverändert (Nature Communications 2024). Ihr Körper ist zu einem kleinen Kraftwerk geworden, das Energie erzeugt, ohne dass Sie Nachschub liefern. Wichtig ist der Unterschied zwischen Kraft und Ausdauer: Spazieren, Treppen und leichtes Krafttraining ja, längere Ausdauerbelastung nein. Schon nach 36 Stunden ohne Nahrung war in einer Untersuchung die Ausdauerzeit deutlich verkürzt (Journal of Applied Physiology 1990).

Was Sie abends im Bett spüren können: Ihr Herz schlägt schneller, als es das in Ruhe sollte. In einer Untersuchung zum zehntägigen Wasserfasten stieg der Morgenpuls schrittweise an und lag am achten Tag im Mittel etwa ein Drittel über dem Ausgangswert (10-Tage-Studie 2022). In der großen Auswertung zum Fasten mit kleinen Kalorienmengen blieb die Herzfrequenz dagegen unverändert (PLOS ONE 2019). Beides gehört zum normalen Bild. Herzgesunde Erwachsene stecken das gut weg. Es zeigt nur, wie viel Ihr Organismus gerade zu tun hat.

Wenn etwas nicht stimmt: Wenn zum schnellen Puls Luftnot, Brustschmerz oder Stolpern des Herzschlags kommt.

Tag 10

Weitermachen oder brechen?

Ich bin stolz auf Sie, dass Sie bis hierhergekommen sind. Es liegen jetzt mehr Tage hinter Ihnen als vor Ihnen.

Und trotzdem ist heute ein guter Tag für eine ehrliche Frage: Wollen Sie weitermachen? Es gibt Menschen, denen es von Tag zu Tag besser geht und die überlegen, sogar zu verlängern. Und es gibt gute Gründe, jetzt zu brechen — wenn Sie mit dem Erreichten zufrieden sind oder wenn Sie sich in Beruf und Alltag zu eingeschränkt fühlen.

Sie haben inzwischen etwa sechs Tage Ketose hinter sich. Für eine Leber und eine Bauchspeicheldrüse, die voller Fett sind, reicht das noch nicht. Aber Sie haben diesen Organen bereits spürbar Erleichterung verschafft. Bei schlanken Menschen mit wenig Leberfett dürften zehn Tage nach allem, was wir über die Entleerung der Fettspeicher wissen, genügen — gemessen wurde das beim reinen Wasserfasten allerdings nicht.

Ehrlicherweise: Wir können bis heute nicht individuell sagen, wer wie lange fasten sollte, um den größten Nutzen zu haben. Deshalb empfehle ich die zwei Wochen — mit dieser Dauer haben wir die meiste Erfahrung, und Sie dürfen sicher sein, einen soliden Effekt zu erreichen.

Aber es ist Ihre Entscheidung, nicht meine. Eine Frau hat mir hinterher gesagt: „Am Ende hat die Sturheit gesiegt.“ Genau so ist es. Es ist allein Ihr Wille, der Sie dranbleiben lässt — und darauf dürfen Sie stolz sein, egal wie Sie sich heute entscheiden.

Tag 11

Stimmt Ihr Elektrolythaushalt?

Eine junge Frau, die ich begleitet habe, meldete sich nach zehn Tagen bei mir, fast aufgelöst. „Ich musste mich gerade übergeben. Da kam zwar nur Wasser. Aber wie kann das sein?“ Wir sind ihre Tage gemeinsam durchgegangen. Der wahrscheinlichste Grund war schnell gefunden: Sie hatte das Glas Wasser mit der Prise Salz vergessen. Immer wieder. Sicher belegen lässt sich das im Einzelfall nicht — Erbrechen beim Fasten kann auch andere Ursachen haben. Genau deshalb ist es immer ein Grund, das Fasten zu beenden und die Sache ärztlich abklären zu lassen.

Elektrolytverschiebungen gehören zu den wichtigsten Risiken des Wasserfastens. Elektrolyte sind Mineralstoffe, die in Wasser gelöst sind — Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium. Normalerweise nehmen Sie sie täglich mit dem Essen auf, hierzulande sogar reichlich zu viel. Beim Wasserfasten bricht diese Zufuhr abrupt ab. Gleichzeitig trinken Sie viel und scheiden entsprechend viel aus. Nach acht bis zehn Tagen reinem Wasserfasten sanken Natrium und Chlorid in einer Auswertung knapp unter den akzeptablen Bereich; die Autoren empfehlen, eine Kochsalzzufuhr zu erwägen (Übersichtsarbeit 2024). In der Auswertung von 1.422 Fastenden traten sechs Fälle einer leichten Natriumabsenkung auf, der niedrigste Wert lag bei 127 mmol pro Liter; alle normalisierten sich unter Kochsalzgabe (PLOS ONE 2019).

Stellen Sie sich eine Stadt vor, die vom Salzhandel lebt. Plötzlich ist der Zugang zum Bergwerk verschüttet. Und als ob das nicht reichte, kommt eine Flut und reißt die Vorratslager mit. Den Menschen dort ist jede Grundlage entzogen. So ähnlich geht es Ihren Zellen ohne Salz.

Deshalb, und ich kann es nicht oft genug sagen: Vergessen Sie die tägliche Prise Kochsalz nicht. Rund zwei Gramm am Tag, in einem Glas Wasser, reichen aus, um den Natriumhaushalt zu kompensieren. Wer es genauer haben möchte, findet im Shop ein Fastensalz, das dafür zusammengestellt ist.

Übrigens: Einzelne Teilnehmende berichten mir einige Wochen bis Monate nach dem Fasten von vermehrtem Haarausfall. Das passt zu dem, was nach rascher Gewichtsabnahme bekannt ist: Der Haarausfall beginnt im Mittel gut einen Monat danach und bildet sich nach etwa fünf Monaten von selbst zurück (Fallserie 2024). Er ist also vorübergehend, und dieselben Personen erzählen mir danach meist, es sei sogar besser als vor dem Fasten.

Wenn etwas nicht stimmt: Bei Krämpfen, Muskelschwäche, Schwindel oder erneutem Erbrechen. Dann Fasten beenden und ärztlich abklären.

Tag 12

Planen Sie Ihr Fastenbrechen

Die Ziellinie ist zum Greifen nah. Ein guter Zeitpunkt, um sich zu überlegen, wie es danach weitergeht.

Horchen Sie einmal in sich hinein: Worauf haben Sie eigentlich Appetit? Der klassische gedünstete Apfel? Ein griechischer Joghurt, eine milde Tomatensuppe, eine zerdrückte Banane? Ich selbst hatte in manchen Fastenphasen ausgerechnet Lust auf Pumpernickel, in anderen auf Kräuteroliven — und immer wieder auf Tomatensuppe, sodass ich in den letzten Fastentagen anfing, im Internet nach Rezepten dafür zu suchen.

Es gibt keine starren Regeln. Alles, was flüssig, schleimig oder gut kaubar ist, eignet sich: Joghurt, Suppen, Obst, gedünstetes Gemüse, dazu ein ordentlicher Schuss Olivenöl. Warten müssen Sie noch mit schweren Speisen, Fleisch, Frittiertem — und mit großen Mengen Nudeln, Brot oder Kartoffeln. Der Zucker daraus würde umgehend wieder als Fett in der Leber landen.

Überlegen Sie auch, wann und wie Sie es zelebrieren wollen. Morgens in aller Ruhe, wenn alle anderen aus dem Haus sind? Oder schon am Vorabend? Wichtig ist nur, dass Sie Zeit haben und die erste Mahlzeit langsam essen können. Ein Teilnehmer hat sich in den letzten Fastentagen alle Mahlzeiten für die Woche danach vorgekocht und eingefroren — für ihn war das Teil des Abschlusses.

Und eine Warnung: Der Supermarkt ist jetzt eine Falle. Wenn Sie jemanden bitten können, für Sie einzukaufen, tun Sie es. Wenn nicht: Einkaufszettel schreiben und sich strikt daran halten.

Tag 13

Sie werden immer leichter

Auch wenn Gewicht nicht Ihr Hauptziel ist: Es ist ein schöner Nebeneffekt und ein gut messbarer Hinweis darauf, dass sich etwas tut. Stellen Sie sich ruhig einmal auf die Waage und freuen Sie sich.

Seit Sie in der Ketose sind, bauen Sie täglich etwa 200 bis 300 Gramm Fett ab. Das entspricht rund einem Päckchen Butter. Am Tag. In Leber und Bauchspeicheldrüse dürften es nach allem, was wir über den Abbau des Organfetts wissen, etwa fünfzehn bis zwanzig Gramm täglich sein — wenig in Gramm, viel in Wirkung. Direkt gemessen wurde das beim vierzehntägigen Wasserfasten bisher nicht.

In einer aktuellen Untersuchung verloren Teilnehmende nach sieben Tagen Wasserfasten im Schnitt fast sechs Kilogramm Körpergewicht; anderthalb Kilogramm davon waren Fett (Nature Communications 2024). Beim vierzehntägigen Fasten sind rund drei bis vier Kilogramm Fett zu erwarten. Der Taillenumfang schrumpft dabei um etwa fünf bis acht Zentimeter, und das spricht dafür, dass eine erhebliche Menge des viszeralen Bauchfetts verschwunden ist.

Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist wichtiger als jede dieser Zahlen: In der einzigen Untersuchung mit Nachkontrolle lag der Taillenumfang drei Monate nach dem Fasten wieder auf dem Ausgangswert (Wilhelmi de Toledo 2021). Das Fasten schafft den Ausgangspunkt. Was davon bleibt, entscheidet sich in den Wochen danach.

Eines gehört zur Wahrheit dazu: Ein Teil des Gewichtsverlusts ist nicht Fett, sondern Wasser, Glykogen und Körpersubstanz. Der Wasseranteil kommt beim Aufbau zurück. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern schlicht die Physiologie.

Nehmen Sie den Schwung mit. Wer nach dem Fasten direkt in den alten Lebensstil zurückfällt, hat die Pfunde und das Leberfett schnell wieder. Ich wette allerdings: Das Wissen, was Sie in diesen zwei Wochen geleistet haben, wird Sie davon abhalten.

Tag 14

Heureka, Sie haben es geschafft

Sie haben es geschafft. Ich kann gar nicht genug betonen, was für eine Leistung das ist — nicht in erster Linie die Willenskraft, sondern das, was Sie sich an Gesundheit erarbeitet haben.

Vielleicht fühlen Sie sich heute etwas schlapp oder erschöpft von den Anstrengungen der letzten zwei Wochen. Das legt sich schnell. Was bleibt, ist ein Stoffwechsel, der anders arbeitet als vor vierzehn Tagen.

Bleibt die Frage: heute Abend brechen oder morgen früh? Für den Erfolg macht das keinen großen Unterschied mehr. Wenn Sie es nicht abwarten mögen, essen Sie heute Abend Ihre erste kleine Mahlzeit. Manche sagen, es fühle sich runder an, bis zum nächsten Morgen zu warten — genau genommen sind die vierzehn Tage dann erst wirklich um.

Manche zögern in diesem Moment sogar. Das Fasten ist ihnen zur Normalität geworden, und dieses Gefühl von Leichtigkeit und Klarheit möchten sie noch ein wenig behalten. Wenn es Ihnen gut geht, dürfen Sie noch ein paar Stunden oder ein, zwei Tage warten. Über vierzehn bis sechzehn Tage hinaus rate ich Ihnen aber nicht — dazu fehlt uns schlicht die Erfahrung.

Und wie auch immer Sie sich entscheiden: Gehen Sie es langsam an. Nach zwei Wochen ohne Nahrung muss Ihr Verdauungstrakt schrittweise zurückgeführt werden. Eisbein mit Sauerkraut oder ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gingen mit Sicherheit nach hinten los.

Nach Tag 14

Das Fastenbrechen ist so wichtig wie das Fasten selbst

Hier werden die Weichen für die Zeit danach gestellt. Mit dem ersten Essen schaltet der Stoffwechsel zurück: Insulin steigt, und Kalium, Phosphat und Magnesium wandern in die Zellen. Gleichzeitig verbraucht der wieder anlaufende Kohlenhydratstoffwechsel Thiamin, also Vitamin B1, das nach zwei Fastenwochen knapp ist. Genau das ist der Mechanismus hinter dem Refeeding-Syndrom, und genau deshalb geht der Aufbau langsamer, als die meisten erwarten.

Was Sie spüren können: schnelle Sättigung, Völlegefühl, in den ersten Tagen gelegentlich Wassereinlagerungen. Das ist normal. Die medizinisch anspruchsvollere Hälfte ist nicht das Fasten, sondern das erste Essen danach.

Wenn etwas nicht stimmt: Bei Herzstolpern, Muskelschwäche, Verwirrtheit oder starken Wassereinlagerungen in den ersten Tagen nach dem Fastenbrechen.

Wie es nach dem letzten Fastentag weitergeht

Der Aufbau Tag für Tag steht ausführlich auf der Seite Aufbau und Fastenbrechen. Wer den Plan lieber schriftlich neben dem Teller liegen hat, findet im Shop den Kostplan „Sanft zurück zur Nahrung“.

Und wenn Sie diese vierzehn Tage nicht allein gehen möchten: Im Fastenkanal begleite ich jeden Tag mit Videos, dem Fastenchat und den Erfahrungen anderer Fastender.

Wann Sie sofort abbrechen und Hilfe holen

Diese Liste ist kurz, und sie ist nicht verhandelbar. Bei einem dieser Zeichen beenden Sie das Fasten und holen ärztliche Hilfe — nicht erst am nächsten Morgen.

  • Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
  • Herzrasen oder Herzstolpern in Ruhe, Druck oder Schmerz in der Brust
  • Erbrechen, das nicht aufhört, oder anhaltender Durchfall
  • Verwirrtheit, Wortfindungsstörungen, plötzliche Sehstörungen, einseitige Schwäche
  • Sehr niedrige Blutzuckerwerte mit Zittern, Schwitzen und Verwirrtheit
  • Deutlich weniger Urin, dunkler Urin über einen ganzen Tag
  • Zunehmende Muskelkrämpfe oder Kribbeln in Händen und Füßen

Im Zweifel gilt die einfachste Regel der Fastenmedizin: Ein Fasten, das Sie abbrechen, können Sie wiederholen. Ein Zwischenfall, den Sie ignorieren, nicht.

Warum Symptome mehr sagen als Zahlen

Viele Fastende messen Ketone, Blutzucker und Blutdruck und lesen daraus mehr, als drinsteht. Ein hoher Ketonwert bedeutet nicht „besonders gut gefastet“, und ein einzelner niedriger Blutzuckerwert ohne Beschwerden ist kein Notfall. Umgekehrt gilt: Beschwerden aus der Liste oben zählen auch dann, wenn alle Werte unauffällig sind.

Wenn Sie Medikamente nehmen, ist die Reihenfolge besonders wichtig: erst die fastenerfahrene ärztliche Einordnung, dann das Fasten. Was dazu belegt ist und was nicht, steht auf der Seite zu den Medikamenten.

Ihr nächster Schritt: Fragen zu Symptomen und Warnsignalen kommen mitten im Fasten — und meist nachts. Im Newsletter beantworte ich genau diese Fragen der Reihe nach, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

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Diese Seite dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Untersuchung.

Wie es weitergeht

Wenn eine Frage nicht bis morgen warten kann

Die häufigsten Symptome stehen oben. Die eigene Frage um 21 Uhr steht dort nie. Genau dafür gibt es den Fastenkanal — und zwei Hefte, die Sie neben sich legen können.

  • Fastenkanal — tägliche Videos, Kursarchiv und der Fastenchat für genau diese Fragen, sieben Tage kostenfrei
  • Fastenbroschüre — Symptome und ihre Einordnung zum Nachschlagen · 18,00 €
  • Abführen beim Wasserfasten — der Praxis-Guide zu einer der häufigsten Fragen · 4,99 €

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