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Wasserfasten nach Prof. Schwarz

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Evidenzthema des Monats — August 2026

Wie viel muss ich trinken — und wozu das Salz?

Lesezeit etwa fünf Minuten. Stand: August 2026. Verantwortlich: Prof. Dr. med. Peter E. H. Schwarz.

Die kurze Antwort

Mindestens zweieinhalb Liter am Tag, das ist der Fachstandard. Wichtiger als die Menge ist aber etwas, das die meisten nicht auf dem Schirm haben: Beim Wasserfasten verlieren Sie nicht in erster Linie Wasser, Sie verlieren Salz. Ihre Niere beginnt schon in den ersten Fastentagen, Natrium auszuschwemmen — und zwar aus einem Grund, der unvermeidlich zum Fasten gehört.

Wer dann nur viel trinkt und kein Salz zuführt, verdünnt sich selbst. Genau daraus entstehen die Schwäche, der Schwindel beim Aufstehen und der dumpfe Kopfschmerz, die viele für Hunger oder eine Reinigungsreaktion halten.

Was die Studien zeigen

Fangen wir beim Mechanismus an, denn er erklärt alles Weitere. Ab dem zweiten Fastentag stellt Ihr Körper auf Fettverbrennung um und produziert Ketonkörper. Ketone sind Säuren, und Säuren kann die Niere nicht einfach so ausscheiden — sie braucht dafür ein positiv geladenes Gegenstück. Anfangs nimmt sie, was sofort verfügbar ist: Natrium. Erst mit einigen Tagen Verzögerung lernt die Niere, stattdessen Ammonium zu bilden und damit das Natrium zu schonen. In der klassischen Untersuchung an neun fastenden Frauen war genau das zu sehen: Der Natriumverlust war deutlich größer als der Chloridverlust, und mit steigender Ammoniumausscheidung begann die Niere, Natrium zurückzuhalten[1]. Diese Lücke zwischen „Ketone kommen“ und „Ammonium ist bereit“ ist das Zeitfenster, in dem Sie Salz verlieren.

Dass das kein Laborkuriosum ist, zeigt der Blick in die Blutwerte. Zwölf gesunde Männer fasteten acht Tage lang ausschließlich mit Wasser. Ihre Natriumausscheidung im Urin fiel von knapp 190 auf 43 Millimol pro Tag, die anteilige Natriumausscheidung von 0,66 auf 0,16 Prozent — die Niere hatte also längst begonnen, mit aller Kraft gegenzusteuern. Trotzdem sank das Natrium im Blut von 139,3 auf 133,8 Millimol pro Liter und lag damit unter dem Normbereich[2]. Bemerkenswert dabei: Der Anteil des Körperwassers war nicht gefallen, sondern leicht gestiegen, von 59,5 auf 60,5 Prozent. Die Männer waren also nicht ausgetrocknet — ihr Blut war verdünnt. Das ist ein anderer Zustand, und er verlangt eine andere Antwort. Mehr trinken hilft hier nicht, mehr trinken verschärft es.

Eine zweite Untersuchung, dreizehn Männer, zehn Tage Wasserfasten mit mineralstoffhaltigem Wasser nach Belieben, kommt zum selben Bild: Ab dem sechsten Fastentag fiel das Natrium, am neunten Tag lag es unter dem unteren Grenzwert von 137 Millimol pro Liter, und erst fünf Tage nach dem Fastenbrechen war es wieder auf dem Ausgangswert. Auch Magnesium sank um etwa sieben Prozent. Der Schlusssatz der Autoren ist für uns der entscheidende: Eine Vitaminergänzung sei nicht nötig gewesen, eine Kochsalzgabe solle man dagegen erwägen[3].

Was passiert nun, wenn man das nicht tut? Dafür gibt es die größte Sicherheitsauswertung zum reinen Wasserfasten überhaupt: 768 Fastenaufenthalte von 652 Patientinnen und Patienten an einem kalifornischen Zentrum, im Median sieben Fastentage, der längste 41 Tage, insgesamt 6.265 Fastentage. Getrunken wurde destilliertes Wasser, empfohlen waren mindestens rund 1,2 Liter täglich, eine routinemäßige Elektrolytgabe gab es nicht[4]. Erfasst wurden 5.961 unerwünschte Ereignisse. Drei Viertel davon, 75,3 Prozent, waren leicht, 5,0 Prozent schwer, ein einziges lebensbedrohlich — und dieses eine war eine Natriumverarmung am neunten Fastentag bei einem 70-jährigen Mann, der plötzlich nicht mehr richtig sprechen konnte, Elektrolyte über die Vene erhielt und sich vollständig erholte. Es gab keinen Todesfall. Aufschlussreich ist die Liste der häufigen Beschwerden: Müdigkeit bei 48,2 Prozent der Aufenthalte, Schlaflosigkeit bei 33,5 Prozent, Übelkeit bei 32,2 Prozent, Kopfschmerz bei 30,1 Prozent — und Beinahe-Ohnmacht bei 28,3 Prozent. Mehr als jeder vierte Fastende wurde mindestens einmal so schwindelig, dass es dokumentiert wurde.

Zum Vergleich die Zahlen aus dem ärztlich begleiteten Fasten in Überlingen: 1.422 Fastende, Rate unerwünschter Ereignisse 0,7 Prozent, sechs Fälle leichter Natriumverarmung, der niedrigste Wert 127 Millimol pro Liter, alle nach Kochsalzgabe wieder normal, kein Todesfall, keine bleibenden Schäden[5]. Ich sage ausdrücklich dazu: Diese beiden Zahlen darf man nicht direkt gegeneinanderstellen, denn die eine Studie hat jedes einzelne Symptom aus der Akte gezählt, die andere nur gemeldete unerwünschte Ereignisse. Die Richtung ist trotzdem bemerkenswert, und sie deckt sich mit dem, was jede Fastenbegleitung erlebt.

Die Fachempfehlungen sind an dieser Stelle entsprechend eindeutig. Die Leitlinie zur Fastentherapie nennt mindestens zweieinhalb Liter kalorienfreie Flüssigkeit am Tag, führt Elektrolytstörungen ausdrücklich unter den möglichen Fastenreaktionen auf und legt Abbruchgrenzen fest: unter anderem ein Natrium unter 125 oder ein Kalium unter 3,0 Millimol pro Liter[6]. Und eine Übersichtsarbeit von 2024, die ausschließlich das verlängerte Wasserfasten betrachtet, formuliert es als klare Handlungsempfehlung: Wer wasserfastet, solle eine Kochsalzergänzung in Betracht ziehen, um Elektrolytverluste zu vermeiden[7].

Bleibt der Blutdruck. Der fällt im Fasten ohnehin, im Mittel von 131,6 auf 120,7 Millimeter Quecksilbersäule systolisch und von 83,7 auf 77,9 diastolisch[5]. Das ist erwünscht und einer der Gründe, warum Menschen fasten. Aber es erklärt, warum ein zusätzlicher Salzmangel sich so deutlich bemerkbar macht, sobald Sie morgens zu schnell aus dem Bett kommen. Zwei erwünschte Effekte, die sich addieren, ergeben zusammen einen unerwünschten.

Die Einordnung

StufeWas daraus folgt
Belegt Die Natriumausscheidung steigt in den ersten Fastentagen, weil Ketonsäuren ein Kation zur Ausscheidung brauchen, und kehrt sich nach Kohlenhydratzufuhr sofort um[1, 8]. Das Serumnatrium sinkt im mehrtägigen reinen Wasserfasten messbar, im Mittel unter den Normbereich, und braucht nach dem Fastenbrechen mehrere Tage zur Erholung[2, 3]. Beinahe-Ohnmachten sind beim reinen Wasserfasten ohne Salzgabe häufig, dokumentiert bei 28,3 Prozent der Aufenthalte[4]. Behandlungsbedürftige Natriumverarmungen kommen vor, sind aber selten und mit Kochsalz behebbar[4, 5]. Der Blutdruck sinkt im Fasten deutlich[5].
Begründet zu erwarten Dass eine definierte tägliche Salzgabe genau diese Beschwerden — Schwäche, Schwindel beim Aufstehen, dumpfer Kopfschmerz — seltener macht. Der Mechanismus ist unstrittig, Fachleitlinie und Übersichtsarbeit empfehlen es[6, 7], und es ist die gelebte Praxis jeder Fastenbegleitung. Eine randomisierte Studie, die Salz gegen kein Salz im Wasserfasten geprüft hätte, gibt es aber nicht.
Offen Die optimale Menge und die Rolle der übrigen Elektrolyte. Ob zwei, drei oder fünf Gramm Salz am Tag am besten sind, ob sich das nach Fastendauer, Bewegung und Außentemperatur richten sollte und ob Magnesium und Kalium mit ergänzt werden sollten, ist nicht untersucht. Hier folgen wir Physiologie und Erfahrung, nicht Studienevidenz.

Was das für Sie bedeutet

Trinken Sie zweieinhalb bis drei Liter am Tag — aber trinken Sie nicht gegen jedes Unwohlsein an, denn mehr Wasser ohne Salz verstärkt das Problem.

Nehmen Sie täglich Salz zu sich, in warmem Wasser gelöst; das ist beim Wasserfasten kein Beiwerk, sondern Teil des Verfahrens.

Und stehen Sie langsam auf: Der niedrigere Blutdruck ist ein gutes Zeichen, aber er will bedient werden.

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Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Längeres Wasserfasten sollte vor Beginn medizinisch geprüft und während der Durchführung begleitet werden — besonders dann, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen.